Zwischen 2012 und 2017 leistete AyaKambo Pionierarbeit im deutschsprachigen Raum. Zu einer Zeit, als es kaum seriöse Anlaufstellen gab und Informationen fast nur auf Englisch oder mündlich kursierten, entstand das erste Projekt, das die Arbeit mit amazonischer Froschmedizin und der Medizin der Liane systematisch, nüchtern und in ihrem kulturellen Kontext vermittelte.

Grundlage war nicht ein Wellness-Trend, sondern gelebte Praxis: langjährige Selbstarbeit, Lernen in Brasilien, Recherche und der Wille, das Wissen verständlich und verantwortungsvoll weiterzugeben. Entscheidend dafür war die Anerkennung zweier Linien. Zum einen die indigenen Völker des westlichen Amazonas – Huni Kuin, Katukina, Kaxinawá, Yawanawá und andere – als ursprüngliche Hüter der Froschmedizin, verwurzelt in Jagdmagie, Kosmologie und Waldwissen. Zum anderen die Caboclo-Tradition – jene im 20. Jahrhundert entstandene mestizische Kultur der Seringueiros, der Kautschukzapfer, die aus dem Kontakt zwischen nordöstlichen Migranten aus dem Nordosten Brasiliens und indigenen Gemeinschaften während des Kautschuk-Booms hervorging.

Die Caboclos sind die eigentliche kulturelle Brücke. Sie lernten die Anwendungen von den indigenen Gruppen am Juruá und brachten sie ab den 1960er Jahren, verstärkt ab 1994 durch Personen wie Francisco Gomes aus Cruzeiro do Sul, aus dem Wald in die Städte Acre, São Paulo, Rio de Janeiro und darüber hinaus. Genau diese Linie machte eine Übertragung möglich: Ayahuasca als Arbeit der Vegetalistas, der Waldheiler, und Kambo als Praxis der Reinigung und Stärkung – nicht als isolierte Stammesrituale, sondern bereits als urbane, von Caboclos gelebte Heilarbeit. Diese Methode war für AyaKambo naheliegend, weil sie die Integrität des Ursprungs wahrte und gleichzeitig eine Form bot, die im urbanen Raum verantwortbar praktiziert werden konnte. Ohne die Caboclos hätte es keinen Weg aus dem Wald in die Stadt gegeben.

Das Format unterschied sich deshalb grundlegend von heutigen Retreats. Keine Resorts, keine inszenierte Spiritualität, keine hohen Preise und keine Heilsversprechen. Einfache Räume – Pfadihäuser, Rebberghütten, Mattenlager, Feuerplätze. Kleine Kreise von Teilnehmenden aus der Schweiz, Deutschland, Österreich und Luxemburg, viele ohne Vorerfahrung, andere mit langer Suche. Der Rahmen war bewusst eng: ausführliche Vorgespräche, klare Hinweise zu Vorbereitung und Kontraindikationen, gemeinsame Zeit am Feuer, Vorstellungsrunden ohne Hierarchie, die Bitte, während der Arbeit zusammenzubleiben und den Raum gemeinsam zu halten.

Integrität bedeutete Verzicht. Verzicht auf Guru-Gehabe, auf Zertifikate, auf Bindungsmodelle und auf die Verwandlung von Medizin in ein Produkt. Wer teilnahm, wurde nicht als Kunde behandelt, sondern als mündiger Mensch mit eigener Verantwortung. Grenzen wurden klar benannt: wann eine Teilnahme nicht sinnvoll ist, wo die Arbeit an ihre Grenzen stößt, warum sie keine Unterhaltung ist.

Was die Arbeit unvergleichbar machte, war die Haltung zur Gruppe. Heiliger Raum entstand nicht durch Dekoration, sondern durch Verhalten: durch ruhiges Atmen, Zuhören, das Halten der Kette, das Bleiben auch im Unbequemen. Die Erfahrungsberichte jener Jahre sprechen immer wieder von tiefer körperlicher Klärung, von Klarheit am nächsten Morgen, von gelösten Ängsten und von nüchterner Dankbarkeit – nicht als Euphorie, sondern als Rückkehr zu sich selbst. Es war eine Arbeit, die keine Abhängigkeit schuf, sondern Selbstvertrauen stärkte und Menschen ermutigte, ihren eigenen Weg weiterzugehen.

Mit dem Boom ab 2016 veränderte sich das Umfeld massiv. Aus einer Nischenpraxis wurde ein Markt für Wochenend-Ausbildungen, Instagram-Ästhetik und photogene Versprechen ohne kulturelle Verankerung. AyaKambo ging diesen Weg nicht mit. Als deutlich wurde, wie weit sich viele Angebote von Zweck, Kontext und Herkunft entfernt hatten, wurde die aktive Arbeit beendet und der Fokus auf Dokumentation, Aufklärung und historische Einordnung gelegt.

Dieses Archiv bewahrt den Bestand jener Jahre. Es zeigt eine Praxis, die nicht auf Expansion zielte, sondern auf Sorgfalt, Ehrlichkeit und Respekt. Eine Praxis, die die Caboclo-Linie als das verstand, was sie historisch war: die Brücke, die es ermöglichte, indigenes Wissen in den urbanen Raum zu tragen, ohne seinen Ursprung zu verraten. Darin liegt ihre bleibende Bedeutung für alle, die heute Orientierung in einem unübersichtlichen Feld suchen.