Die Suche nach einer Sprache für dieses Erleben führte mich tief in schamanische Pflanzenmedizin-Traditionen, in archaische Formen von Initiation und in die Jagdmagie unserer Vorfahren – bis zurück zu den Höhlenbildern des frühen Paläolithikums, in denen sich bereits eine formgebende Kraft von Imagination, Symbol und Handlung und erkennen lässt.
Ich verstehe diesen Prozess als Horizonterweiterung: als eine neuroplastisch begünstigte Öffnung gewohnter Wahrnehmungs-, Bedeutungs- und Handlungsmuster. Stark transpersonal verdichtete rituelle Erfahrungen können dabei Schwellen erzeugen, an denen bisherige Ordnungen an Verbindlichkeit verlieren und neue innere wie äußere Möglichkeiten überhaupt erst vorstellbar werden. Das Transpersonale bedeutet für mich, das bisherige Selbstverständnis zu überschreiten, ohne — wie in klassischen transpersonalen Ansätzen — das Selbst jedoch aufzulösen. Mich interessiert nicht die Verschmelzung mit einem kosmischen Ganzen, sondern was sichtbar wird, wenn vertraute Identitäten und Deutungsmuster ihre Selbstverständlichkeit verlieren. Bedeutung und Intention sind keine festen Eigenschaften eines Ereignisses. Sie können verändert, erweitert und bewusst gesetzt werden. Erinnerungen, Brüche, Begehren, Symbole, Träume und außergewöhnliche Erfahrungen werden so zu Material. Die Psyche wird zum Werkstoff: Hier beginnt für mich eine alchemistische Dimension: Inneres Material wird wahrgenommen, bearbeitet und in eine Form überführt, die im eigenen Leben wirksam werden kann. Erst an diesem Punkt wird Biografie mythopoetisch – wenn aus Erfahrung nicht nur Erinnerung, sondern eine neue Erzählung des eigenen Werdens entsteht.
Innerhalb von XAMONUS verdichtet sich meine persönliche initiatorische Entwicklung, die aus Erfahrungen mit schamanischen Pflanzenmedizin-Traditionen, ritueller Praxis und einer fortlaufenden Auseinandersetzung mit archaischen Formen von Wissen, Symbolik und Transformation hervorgegangen ist. Diese Herkunft bleibt wirksam, wird jedoch weitergeführt: aus Erfahrung wird Deutung, aus Deutung Form, und aus Form eine bewusst gestaltete Praxis des Werdens.
2023 erhielt ich den Segen eines salvadorianischen Habladors. In dieser Begegnung fand eine Funktion ihren Namen, die sich innerhalb meiner vorausgegangenen Arbeit bereits vorbereitet hatte. Der Hablador ist der Sprechende, der Vermittler – jemand, der Erfahrungen nicht nur durchläuft, sondern ihnen Sprache, Richtung und Bedeutung verleiht. Durch die Integration dieser Funktion in mein eigenes Feld entstand The Uttering als meine Praxis des formgebenden Sprechens: ein Verfahren, in dem Wahrnehmungen, Erfahrungen und das noch Ungeformte benannt, verdichtet und durch Sprache in eine wirksame Form überführt werden.
Im Uttering interessiert mich besonders die Rückwirkung dieses Vorgangs auf denjenigen, der spricht, ebenso wie auf die Anwesenden. Das Gesprochene wird nicht nur mitgeteilt, sondern erzeugt eine Situation, in der Bedeutung neu gesetzt und Wahrnehmung verschoben werden kann. Die Teilnehmenden befinden sich dabei nicht außerhalb des Geschehens, sondern werden durch ihre Anwesenheit Teil eines gemeinsamen transpersonalen Feldes.